Weiterbildung Ganzheitliches Atemerleben® zum Bewältigen von Schocktrauma

für alle, die in ihrer pädagogischen oder therapeutischen Arbeit mit Menschen sowohl Bewegung als auch Berührung anwenden und die mehr Kompetenzen für die Arbeit mit dieser Thematik erwerben sowie den Atem als besondere Wirkkraft dabei nutzen wollen.
 

Intro

In diesem Einführungs-Wochenende werden grundlegende Kenntnisse über Schocktrauma vermittelt und wie es mit Hilfe des Ganzheitlichen Atemerlebens® bewältigt werden kann. Da sich die Folgen von Schocktrauma meistens auch auf die Atmung auswirken, bietet dieses Intro jeder*m mit dem Atem arbeitenden Pädagogin/Therapeutin und Pädagogen/Therapeuten vielfältige Informationen und Inspirationen.

Es ist zudem Voraussetzung für die Teilnahme an der ab 9. Januar 2026 zum dritten Mal stattfindenden, mehrteiligen Weiterbildung zum Thema und soll der Entscheidungsfindung dafür dienen. Sie erhalten ein ca. 50-seitiges Skript mit den Inhalten dieses Intros. Sobald ein Intro stattfindet, finden Sie den Termin und die detaillierten Inhalte unter  Fortbildungen.

Interessentinnen und Interessenten, die kein Intro besucht haben, können an der Weiterbildung teilnehmen, wenn sie entsprechende Kenntnisse nachweisen können oder anhand des Skripts und der Themen- und Übungsliste des Intros die Inhalte sich selbst erarbeiten und in einem Zoom-Meeting vor der Weiterbildung mit mir besprechen.
 
 

Struktur

Zeitlicher Rahmen

Die Weiterbildung dauert eineinhalb Jahre und beinhaltet sechs aufeinander aufbauende Module an sechs Wochenenden. Sie umfasst insgesamt 12 Tage bzw. 81 Zeitstunden plus individuellen Zeitaufwand für Selbststudium – Vorbereitung, Nachbereitung und Üben des Gelernten.

Lernmethoden

  • Vorträge, Powerpoint- und Videopräsentationen
  • Wahrnehmungs-, Achtsamkeits- und Bewegungsübungen sowie nonverbales und verbales Erforschen eigener Erfahrungen
  • Praktische Demonstrationen im Gruppensetting und im Einzelsetting auf dem Hocker und der Liege
  • Strukturierte Übungseinheiten in Kleingruppen oder zu zweit
  • Selbststudium anhand von Skripten, Video- und Audioaufnahmen von Theorie- und/oder Praxiseinheiten, Youtube-Videos, empfohlener Literatur und Intervision mit Übungssitzungen

Skripten sowie Video- und Audioaufnahmen

Zur Vor- und Nachbereitung der Wochenenden werden zu den jeweiligen Inhalten Skripten in PDF-Form zugesandt und nach den Wochenenden Video- und/oder Audioaufnahmen von Theorie-, Praxiseinheiten und Demonstrationen von Anwendungen auf einer Weiterbildungsinternen Website zur Verfügung gestellt.

Weiterbildungsbestätigung

Nach Absolvierung aller sechs Module/Wochenenden wird eine Weiterbildungsbestätigung ausgehändigt, die berechtigt, diese Arbeitsweise mit Klientinnen und Klienten anzuwenden.
In Planung ist derzeit ein zusätzlicher Zertifizierungsprozess, der berechtigt, die Methodenbezeichnung plus Markenzeichen zu nutzen und sich als zertifizierte*n … Practitionerin bzw. Practitioner zu bezeichnen.
Es obliegt nur mir oder von mir dazu berechtigten Personen, diese Arbeitsweise in Kursen, Fort-, Weiter- und Ausbildungen an andere weiterzuvermitteln.
 
 

Inhalte

In der eineinhalb Jahre dauernden Weiterbildung werden wesentliche Informationen über Schocktrauma und vielfältige Interventionen aus der Atemlehre Ganzheitliches Atemerleben® für die Arbeit mit Menschen, die ein solches Trauma erlebt haben, vermittelt. Sie sollen eine sichere Begleitung dieser Menschen in der eigenen Arbeitsweise ermöglichen und helfen, z. B. Übererregung wohldosiert abzubauen, Dissoziation aufzulösen, auftretende Aktivierungen des Autonomen Nervensystems zu erkennen und Regulation zu ermöglichen, das Komplettieren von unvollendeten Schutzreaktionen zu begleiten und das Erleben von Ermächtigung, Selbstwirksamkeit, Sicherheit und Verbundenheit zu ermöglichen.

Schocktrauma entsteht durch ein extrem belastendes und/oder lebensbedrohliches Ereignis, das Furcht, Hilflosigkeit und Entsetzen auslöst. Dabei entstehen unmittelbare natürliche Stressreaktionen wie Steigerung von Blutdruck, Herzschlag und Atemfrequenz zur Mobilisierung aller Energiereserven. Können die mobilisierten Energien nicht verbraucht werden, bleiben sie im Nervensystem gespeichert und verursachen vielfältige physische sowie psychische Störungen. Bei Menschen, die ein Schocktrauma nicht aufgearbeitet haben, zeigen sich vielfach z. B.: Bereiche, die sich in einer Konstriktion befinden; Einschränkungen der Atmung bis hin zu Atemerkrankungen usw.; Kontrolle – auf geistiger und Gefühlsebene; Zurückhaltung, Abspaltung und Schwankungen von Gefühlen; fehlende Sicherheit, was sich häufig im Kontaktverhalten äußert usw.
 
Interventionen, die den Atem ansprechen, wollen und können genau das Gegenteil ermöglichen – Weit-Werden, freien Atemfluss, Auflösen von Kontrolle, Fördern von Fluss, Fähigkeit zu Kontakt usw. Deshalb ziehen Methoden, die mit dem Atem arbeiten, auch entsprechende Klientinnen und Klienten an und sollten jene Pädagoginnen/Therapeutinnen und Pädagogen/Therapeuten mit dem Thema vertraut sein und Möglichkeiten sowie Grenzen ihrer Arbeit mit diesem Klientel kennen. Zudem können bei Menschen mit Schocktrauma das Wecken von Empfindungen direkt zu traumatischen Erfahrungen führen oder bewährte Übungen eine andere, nicht angenehme Wirkung hervorrufen – weitere wichtige Gründe, warum Pädagoginnen/Therapeutinnen und Pädagogen/Therapeuten, die mit Bewegung und Berührung arbeiten, mehr über das Thema Schocktrauma und über einen qualifizierten Umgang damit wissen sollten.
 
In der Atemlehre Ganzheitliches Atemerleben® gibt es viele Grundprinzipien, die für die Arbeit mit Menschen mit Schocktrauma sehr hilfreich sind. Sie werden vor allem im Intro benannt und während der Weiterbildung immer wieder in Erinnerung gerufen. Zusätzlich werden im Modul 1 – 3 dieser Weiterbildung weitere Tools vorgestellt und ihre Anwendung geübt, die eine sichere Begleitung von Menschen mit Schocktrauma in der eigenen Arbeitsweise ermöglichen sollen. Auf dieser Grundlage aufbauend gehen wir in den Modulen 4 – 6 einen Schritt weiter und tiefer in die Arbeit hinein, die den Menschen helfen kann, ihr Trauma zu bewältigen.
 

Inhalte des 1. Moduls/Wochenendes: Orientierung, Sicherheit, Hier und Jetzt, Kontakt, rezeptives Gewahrsein, Arbeitshaltung und verbale Begleitung

Um im Hier und Jetzt sein und in Kontakt treten zu können, bedarf es Orientierung und Sicherheit. Orientierung ist für die meisten Menschen ein derart gewohnter Prozess, dass er meist unbewusst geschieht. Orientieren ist Aufgabe des Nervensystems. Es ermöglicht ein Bezogen-Sein im Hier und Jetzt. Dadurch entsteht Offenheit, Interesse, Neugierde und Achtsamkeit. Wir werden besprechen und praktisch üben, wie und wann wir das Hier und Jetzt sowie Orientierung speziell in der Arbeit mit traumatisierten Menschen nutzen, u. a. z. B zum Stabilisieren.

Je umfassender Sicherheit, Vertrauen und Kontakt sind, je tiefer können sich Klientinnen und Klienten einlassen und ihren Traumabewältigungsprozess gehen. Diese Aspekte sind in jeder Therapie wichtig, aber besonders, wenn es um das Thema Trauma geht, wo durch existentielle Bedrohung meist Sicherheit und Vertrauen verloren gegangen sind. Kontakt entsteht zuerst durch Synchronisation, Verbindung und dann Resonanz. Wir werden Synchronisieren mit einer „Klientin“ bzw. Klienten durch Spiegeln des Gesamtausdruckes (der Stimmung, Haltung, Mimik) und der wichtigsten Gesten/Bewegungen üben und dann kontinuierlich in der gesamten Weiterbildung praktizieren.

In der Arbeit mit traumatisierten Menschen ist die Haltung des „rezeptiven Gewahrseins“ (SE) hilfreich: Gemeint ist eine spezielle Haltung der Pädagogin/Therapeutin bzw. des Pädagogen/Therapeuten in ihrer bzw. seiner Arbeit, die darin besteht, dass sie bzw. er die Klientinnen und Klienten empfangend wahrnimmt und begleitet. Wir werden diese Haltung anhand einer praktischen Übung erfahrbar machen und dann kontinuierlich in der gesamten Weiterbildung praktizieren.

Wir besprechen, weshalb es in der Arbeit mit traumatisierten Menschen wichtig ist, eine spezielle Arbeitshaltung einzunehmen. Da ihnen etwas geschehen ist, was sie nicht selbst bestimmen konnten, ist für sie Kontrolle und Selbstbestimmung ein wichtiges Thema. Außerdem weiß meist ihr Organismus – wenn er sich sicher fühlt, Raum und Zeit hat – am besten, was der nächste Schritt zur Traumabewältigung ist. Deshalb begleiten wir einerseits mehr, als dass wir führen. Andererseits übernehmen wir zugleich Mitverantwortung für den Prozess und unterstützen ihn aktiv, denn es soll keine Überforderung oder gar Retraumatisierung geschehen. Wir geben Raum, verlangsamen (titrieren) und bieten gezielte Interventionen an.

Besonders bei Menschen mit Schocktrauma ist es wichtig, sich auch verbal Informationen über deren Prozess einzuholen, um diesen gut regulieren zu können und Überwältigung zu vermeiden. Verbale Kommunikation hält bei der Aufarbeitung von Schocktrauma – besonders auch wenn körperorientiert gearbeitet wird – den ventralen Vagus und damit die soziale Verbundenheit aktiv. Nicht zuletzt ermöglicht verbale Begleitung auch, unbewusste Inhalte ins Bewusstsein zu heben und Erfahrungen sowohl auszubreiten und zu vertiefen als auch zu integrieren. Folgende acht Arten verbaler Begleitung werden vermittelt, in der eigenen Arbeit geübt und dann kontinuierlich in der gesamten Weiterbildung praktiziert:
  • Das verbale Begleiten des Prozesses durch offene Fragen, die das Empfinden ansprechen.
  • Das exakte Wiederholen der wichtigsten Worte der Klientinnen und Klienten.
  • Das Ansprechen der verschiedenen Erfahrungselemente – Empfinden, Bilder, Verhalten, Gefühle/Affekt und Bedeutung.
  • Kontaktaussagen, die eine Situation, ein aktuelles Geschehen, Befinden oder Erleben bei den Klientinnen und Klienten ansprechen.
  • Das Erfragen von Bedeutung z. B. bei einer Berührung: „wenn die Hände Worte hätten, was würden sie dir sagen?“
  • Sonden – Aussagen als Experimente, um neue Erfahrungen zu ermöglichen oder hinderliche Überzeugungen zu ergründen.
  • Psycho-Information – Sinn und Nutzen bestimmter Interventionen erklären und Klientinnen und Klienten helfen, ihre Reaktionen besser zu verstehen.
  • Unser Selbsterleben anbieten – Körperempfindungen, Bilder, Impulse, Gefühle und Gedanken, die denen der Klientinnen und Klienten entsprechen, aber ihnen evtl. noch unbewusst sind.
 

Inhalte des 2. Moduls/Wochenendes: „Dreieiniges Gehirn“, Erfahrung, verschiedene Erfahrungselemente, Kopplungsdynamiken und Einführung in die Themen Ressourcen, der Neutrale Pol, Resilienz, Titrieren und Pendeln

Kenntnisse von dem Aufbau und den Funktionen des „dreieinigen Gehirns“ (Konzept von Paul D. MacLean) sind für das Verständnis für die Entstehung und Bewältigung von Trauma sehr wichtig. Wir besprechen mit welchen Interventionen wir welche Gehirnbereiche ansprechen und wann, warum und wie wir bottum-up-processing oder top-down-processing in der Arbeit mit traumatisierten Menschen nutzen u. v. m.

Als Erfahrung wird das Erlebnis eines Menschen in Form eines von ihm selbst erlebten und damit selbst wahrgenommenen Ereignisses – in diesem Kontext speziell eines potentiell traumatisierenden Ereignisses – bezeichnet. Erfahrungen können bewusst (symbolisiert) oder unbewusst sein. Wir erörtern auf welchen Gehirnebenen Erfahrungen geschehen, welche Bedeutung die Symbolisierung von Erfahrungen hat, wie die Realität von Erfahrungen – vor allem wenn sie in sehr frühem Lebensalter geschehen – überprüfbar sind, wie verschiedene Therapie-Methoden Erfahrungen kategorisieren und entsprechend damit arbeiten u. v. m.

Unser alltägliches Erleben kann in fünf Erfahrungselemente – Empfinden, Bilder und Sinneseindrücke, Verhalten, Affekt/Gefühl und Bedeutung – auf drei Gehirnebenen – Stammhirn, limbisches System und Neokortex – unterteilt werden. Wir werden besprechen und praktisch üben, wie wir die fünf Erfahrungselemente in unserer Arbeit ansprechen können sowie zum Ausbreiten und Vertiefen von Erfahrungen und zum Titrieren nutzen können und wie sinnvolle Verbindungen zwischen Erfahrungselementen gefördert werden können.

Kopplungsdynamiken beschreiben Möglichkeiten, wie die einzelnen Erfahrungselemente bzw. -ebenen präsent und untereinander verbunden sind – z. B. sinnvoll gekoppelt, überkoppelt oder unterkoppelt –und geben Hinweise auf mögliche Ursachen. Wir werden Anzeichen von Kopplungsdynamiken besprechen sowie üben, sie wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen.

Die Themen Ressourcen, der Neutrale Pol, Resilienz, Titrieren und Pendeln werden in diesem Modul schon angesprochen und im nächsten und in weiteren Modulen kontinuierlich vertieft. Siehe Beschreibungen zu diesen Themen in weiteren Modulen.
 

Inhalte des 3. Moduls/Wochenendes: Autonomes Nervensystem (ANS), Polyvagal-Theorie, Reaktionen des ANS, Spuren lesen und Pendeln

An diesem Wochenende frischen wir die Kenntnisse vom Autonomen Nervensystem (ANS) auf. Darauf aufbauend werden wesentliche Inhalte der Polyvagal-Theorie (PVT) nach Stephen Porges vermittelt. Wir besprechen die Anzeichen (Spuren), durch die wir die Aktivität verschiedener Anteile des ANS erkennen können. Im nächsten Schritt üben wir diese Spuren wahrzunehmen bzw. zu lesen. Dazu nutzen wir Pendeln zwischen Ressourcen und wohldosierter Aktivierung sowohl im Gespräch, in der übungszentrierten Arbeit als auch in der Arbeit mit Berührung auf der Liege.
 

Inhalte des 4. Moduls/Wochenendes: Ansprechen der Gelenke der Extremitäten, Berührungsintention, Kohärenz, Containment, Titrieren, Pendeln und Integrieren

In diesem Modul stehen wohldosiertes Ausbreiten bzw. Entladen von Energie und Komplettieren von unvollendeten Reaktionen durch Ansprechen der Gelenke der Extremitäten (der Peripherie) sowohl in der übungszentrierten Arbeit als auch in der Arbeit mit Berührung auf der Liege im Mittelpunkt. Wir werden dabei wichtige Erfahrungen wie Bewegungsfreiheit, Kohärenz und Containment unterstützen.

Die Gelenke werden in der Atemlehre Ganzheitliches Atemerleben® als wichtige Übergänge, Verbindungen und Schlüsselstellen für Durchlässigkeit gesehen. In der Arbeit mit traumatisierten Menschen ermöglicht die spezielle Ansprache der Gelenke, dass sich im Körperinneren gehaltene Energie ausbreiten bzw. entladen und Zugang zu unvollständigen Überlebensreaktionen und Selbstschutzversuchen entstehen kann.

Wir werden erkunden, welche Haltungen und Intentionen der Pädagoginnen/Therapeutinnen und Pädagogen/Therapeuten diesen sich selbstorganisierenden Prozess der Selbstregulation und Traumalösung unterstützen und üben, sie bewusst zu nutzen.

Ob unsere Intentionen und Interventionen passend sind, können wir an zunehmender Kooperation innerhalb eines Körpersystems wie z. B. dem Atem- oder des Muskelsystems und verschiedener Körpersysteme miteinander und somit an zunehmender Kohärenz erkennen. Wenn Kohärenz vorherrscht, dann ist der Atem langsam und tief, Atembewegung breitet sich in allen Körperbereichen aus, der Muskeltonus ist wohlgespannt, zwischen einzelnen Körperbereichen herrscht Resonanz, Atem- und Herzfrequenz sind aufeinander abgestimmt usw.

In der Regel entsteht dadurch zugleich auch mehr Containment, d. h. eine erhöhte Fähigkeit, hohe Energiezustände ohne einen Verlust an Stabilität halten zu können. Die gleiche Menge an Ladung oder Energie fühlt sich nach weniger Energie an, wie wenn sie nun in einem größeren Raum wäre.

Wir werden dabei immer Titrieren, d. h. den Prozess verlangsamen, die Zeit zum Geschehen-Lassen und Wahrnehmen ausdehnen und das traumatische Erlebnis in kleinen Dosierungen verarbeiten. Es geht darum, genau die Menge zu finden, mit der sich die Klient*innen sicher fühlen und die sie integrieren können. Dadurch wird zum einen Retraumatisierung verhindert und zum anderen kann der Organismus durch das Dehnen der Zeit unvollendete Reaktionen komplettieren und das Nervensystem wieder in die optimale Energiezone zurückfinden.

Um diese Prozesse gut begleiten und regulieren zu können, werden wir wieder das Pendeln – das Wechseln bzw. Hin- und Herbewegen zwischen Expansion/Ressource oder Neutralem und Kontraktion/traumatischer Erinnerung/Problem – praktizieren. Durch Pendeln kommt ein Prozess in Gang und Energie wird in Fluss und Bewegung gebracht. Deshalb werden wir auch hierbei üben, auf die Dosierung zu achten – nicht zu oft pendeln und nicht zu viel Energie auf einmal in Bewegung bringen.

Wir lassen am Schluss des Prozesses genügend Zeit und unterbreiten entsprechende Angebote, damit die Klientinnen und Klienten das Erlebte integrieren und sich mit dem Neuen im Alltag zurechtfinden können.
 

Inhalte des 5. Moduls/Wochenendes: Arbeit mit Diaphragmen zur Erweiterung von Kohärenz und Containment inkl. Titrieren, Pendeln, Integrieren und Einbeziehen des Schalenmodells

In vielen Atemlehren wird in erster Linie mit dem Diaphragma abdominale (Zwerchfell) als Hauptatemuskulatur und dem Diaphragma pelvis (Beckenboden) gearbeitet. Dabei geht es sowohl um das Stärken dieser Strukturen für einen vitalen Atem als auch das Fördern der Elastizität, Flexibilität und letztlich Schwingungsfähigkeit für einen freien, flexiblen Atem.

Traumatisierte Menschen regulieren mit Hilfe der Diaphragmen ihre intensiven Gefühle sowie Erregungs- und Energiezustände. D. h., dass es bei traumatisierten Menschen teilweise einer anderen Ansprache der Diaphragmen bedarf, als klassisch in diesen Atemlehren. Zudem ist es sinnvoll, mit weiteren Diaphragmen wie z. B. dem zervikothorakalen Diaphragma zu arbeiten, wie dies in der Osteopathie oder in Somatic Experiencing (SE) geschieht.

In diesem Modul werden wir mit sieben Diaphragmen – zervikothorakalen Diaphragma, Zwerchfell, Beckenboden, Schädelbasis, Tentorium cerebelli, Schädeldach und Fußsohlen – arbeiten. Ziel ist, dass sowohl hohe körperliche Energiezustände und starke Gefühle ohne einen Verlust an Stabilität gehalten werden können als auch Energie sich wohldosiert ausbreiten bzw. entladen kann und unvollendete Reaktionen sich komplettieren können.

Wir werden dafür spezielle Interventionen sowohl der übungszentrierten Arbeit als auch der Arbeit mit Berührung auf der Liege anwenden. Wir werden das in wohltitrierter (siehe Modul 4) Form tun und dabei wieder auf zu- bzw. abnehmende*s Kohärenz und Containment achten. Neu hinzu kommt das noch differenziertere Berücksichtigen des vorhandenen Containments gemäß dem Schalenmodell. D. h. wir werden üben, die vorhandenden Größe der Schale (Maß an Containment) wahrzunehmen und entsprechend dosiert zur nächst größeren Schale hin den Prozess zu begleiten. Wenn nötig, werden wir zusätzlich das Pendeln (siehe Modul 4) nutzen, um diese Prozesse bestmöglich zu regulieren und immer am Schluss bewusstes Integrieren unterstützen.
 

Inhalte des 6. Moduls/Wochenendes: Ressourcen, Resilienz, neutraler Pol und gesunde Grenzen

In diesem Modul steht noch einmal ausführlicher das Fördern von Ressourcen und Resilienz im besonderen Zusammenhang mit der Arbeit an gesunden Grenzen in der übungszentrierten Arbeit im Mittelpunkt. Dabei werden wir bei Bedarf auch den neutralen Pol nutzen.

„Ressourcen sind Kraftquellen, die den Menschen unterstützen, sich auf die große Vielfalt der im Leben auftretenden Situationen und Anforderungen kontinuierlich einzustellen sowie angemessen und wirksam zu reagieren. Sie sind Grundlage für Wohlbefinden, Lebendigkeit und Kreativität. Sie helfen, Veränderungen anzugehen und Neues zu wagen“ (Faller 2019).
„Unter Resilienz wird die Stärke eines Menschen verstanden, widrige Lebensbedingungen ohne anhaltende psychische, körperliche oder soziale Beeinträchtigungen zu meistern“ (Mergenthaler 2012) und die Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen und sich neu erfinden können.
Wir werden vielfältige Interventionen des Ganzheitlichen Atemerlebens® erforschen, die Ressourcen und Resilienz stärken, insbesondere jene, die zum einen für die Aufarbeitung der jeweiligen traumatischen Erfahrung und zum anderen auch für das Gestalten und Wahren gesunder Grenzen wesentlich bzw. hilfreich sind. Wir werden immer wieder in den Übungssequenzen darauf achten, die Resilienz der Klientinnen und Klienten aber auch bei uns als Pädagoginnen/Therapeutinnen und Pädagogen/Therapeuten zu erkennen und zu beachten.

Weil Ressourcen „positiv geladen“ sind, irgendwann an ihre Grenzen stoßen und dann „kippen“ können, kann es hilfreich sein zusätzlich zu Ressourcen mit einem „neutralen Pol“ zu arbeiten. Der neutrale Pol ist etwas, das weder positiv noch negativ „geladen“ ist und kann sowohl im Körper (ein Körperbereich) als auch außerhalb (z. B. ein Gegenstand) sein. Er beinhaltet meist größere Stabilität als Ressourcen, da er wertfrei und konfliktfrei ist und wird daher vielfach als sehr entlastend erlebt.

Bei Trauma passiert immer eine Verletzung von Grenzen mit spezifischen Folgen. Dabei spielen die verschiedenen Arten und Funktionen von Grenzen eine wichtige Rolle und es entstehen als Folge unterschiedliche Grenzstile.
Wir werden vielfältige Interventionen des Ganzheitlichen Atemerlebens® erforschen, die gesunde Grenzen stärken und Klientinnen und Klienten ermutigen, je nach Situation selbstbestimmt und klar „Ja“ oder „Nein“ zu sagen und differenziert ihre Anliegen, Bedürfnisse und Wünsche zu äußern. Dadurch entstehen Sicherheit und erfüllter Kontakt.

Stand: 23. April 2024 (Änderungen vorbehalten)
 
 

Termine

1. Modul/Wochenende:  09. – 11. Januar 2026
2. Modul/Wochenende:  24. – 26. April 2026
3. Modul/Wochenende:  14. – 16. August 2026
4. Modul/Wochenende:  04. – 06. Dezember 2026
5. Modul/Wochenende:  02. – 04. April 2027

6. Modul/Wochenende:  23. – 25. Juli 2027

Die Wochenenden finden freitags von 15:00 – 19:00 Uhr, samstags von 9:00 – 12:00 und 15:00 – 18:00 Uhr und sonntags von 9:00 – 12:30 Uhr statt.

Stand: 21. Juli 2024 (Änderungen vorbehalten)
 
 

Voraussetzungen

Voraussetzungen für die Teilnahme an dieser Weiterbildung sind eine abgeschlossene Ausbildung in einem pädagogischen oder therapeutischen Beruf, in dem Sie sowohl Bewegung als auch Berührung mit Menschen anwenden und der Besuch eines Intros.

Interessentinnen und Interessenten, die kein Intro besucht haben, können an der Weiterbildung teilnehmen, wenn sie entsprechende Kenntnisse nachweisen können oder anhand des Skripts und der Themen- und Übungsliste des Intros die Inhalte sich selbst erarbeiten und in einem Zoom-Meeting vor der Weiterbildung mit mir besprechen.
 
 

Gebühr

1890,– EUR, die in Teilen zu jeweils 315,– EUR vor den jeweiligen Wochenenden zu zahlen sind.
In der Gebühr ist das Entgeld für die Erstellung der Skripten sowie Bearbeitung der Video- und Audioaufnahmen von Theorie-, Praxiseinheiten und Demonstrationen von Anwendungen usw. von jedem Modul enthalten. Ich erwähne das extra, da solche Leistungen – vor allem in dem Umfang – selten geboten werden, aber auch Kosten verursachen. Da laut vielfältigen Rückmeldungen von Teilnehmer*innen meiner Fort- und Weiterbildungen diese zur Verfügung gestellten Unterlagen für das Nachbereiten und Anwenden des Gelernten in der Praxis sehr hilfreich sind und geschätzt werden – siehe z. B. die  Erfahrungen von Weiterbildungsteilnehmerinnen, stelle ich sie gerne zur Verfügung.
 
 

Ort

Veranstaltungssaal im Kinderhaus Plus, Hans-Durach-Straße 17, 82008 Unterhaching (südlich angrenzend an München).

Ganzheitliches Atemerleben® - Kinderhaus Unterhaching
Ganzheitliches Atemerleben® - Kinderhaus Unterhaching
 

Es ist ein 120 qm großer Veranstaltungsraum, der bei Bedarf auf 244 qm erweitert werden kann, im obersten Stockwerk, sehr ruhig gelegen und hell ist, viele Fenster hat, Blick ins Grüne bietet und eine natürliche Raumklimatisierung hat. Es gibt zwei separate Umkleideräume, mehrere Toiletten, eine komplett ausgestattete Teeküche usw.

Wir haben Stühle, Hocker in verschiedenen Sitzhöhen, Sitzkissen, Behandlungsliegen, Lagerungshilfen usw. vor Ort.

Bei Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Kinderhaus Plus 1,4 km, d. h. 18 Min zu Fuß von der S-Bahnstation Unterhaching oder 1,7 km, d. h. 21 Min. von der S-Bahnstation Taufkirchen entfernt.

Bei Anfahrt mit dem Auto ist das Kinderhaus Plus 1,2 km, d. h. 2 Min. von der Autobahnausfahrt Unterhaching Ost entfernt. Es hat eine große Anzahl kostenloser Parkplätze vor dem Haus.

Es gibt folgende Hotels in der Nähe:
  • Hotel Demas, Hauptstr. 32, Website
  • NH Hotel, Leipziger Straße 1, Website
  • Hotel Kölbl, Münchener Straße 107, Website
  • Weitere Unterkünfte auf z. B. booking com Website
 
Weiterbildung Assistentin Schlagenhauf

Assistentin

Barbara Schlagenhauf assistiert in der zweiten Weiterbildung 2024 – 2025 und bietet bei Bedarf Einzelstunden an. Sie ist akademische Atempädagogin (fh gesundheit Tirol) und integrativ ausgebildete psychosoziale und berufliche Coachin (Hephaistos, DBVC-zertifiziert).

Seit 13 Jahren begleitet sie Menschen nach Krankheit und Krise dabei, ihr Leben und ihre Arbeit mehr nach dem auszurichten, was für sie ab jetzt zählt und sie trägt. Im Fokus ihrer Prozess-Begleitung, die sie  Reboarding nennt, steht eine hilfreiche Beziehungsqualität zu sich selbst und zur privaten und beruflichen Umwelt sowie das Update von Erwartungen und Vorstellungen. Sie bringt zudem Erfahrungen aus der Wirtschaft, als Mutter und Krisenerfahrene mit.
 
 

Login zum internen Bereich

Die Teilnehmer*innen an der Weiterbildung erhalten Zugang zu einem internen Bereich, in dem sie Skripten, Protokolle, Audioaufnahmen von Vorträgen und Atem-Übungseinheiten, Videos von Vorträgen, Atem-Übungseinheiten und Demonstrationen von Interventionen, Fachartikel usw. downloaden bzw. anhören und ansehen können.  Login.
 
 

Erfahrungen von Teilnehmerinnen der 1. Weiterbildung (2022 – 2023)

Weiterbildung Gruppe 2022-2023

Ingeborg Becker, eine Teilnehmerin aus Müllheim, hat einen sehr informativen Bericht zu ihren Erfahrungen in dieser Weiterbildung in ATEM – DIE ZEITSCHRIFT, Ausgabe 1 – 2023, Seite 45 f. des deutschen Berufsverbandes ATEM – der Berufsverband e. V. (BV-ATEM®) veröffentlicht, der hier als  Download zur Verfügung steht.

Jolanda Meier-Kunz, eine Teilnehmerin aus der Schweiz, schreibt folgende Rückmeldung in einer E-Mail an mich: „Ich möchte dir sagen, wie wertvoll deine Weiterbildung ist. Sie verändert meine therapeutische Arbeit grundlegend und bringt Wirkungen bei den Klient*innen hervor, die vorher nicht möglich waren. Und da bin ich nicht alleine. Auch einige andere Kolleginnen der Weiterbildungsgruppe, mit denen ich im Austausch bin, machen die gleichen positiven Erfahrungen.“

Maria Eberl, eine Teilnehmerin aus München, schreibt folgende Rückmeldung in einer E-Mail an mich: „Nach 2 Jahren ist nun unsere Weiterbildung zu Ende und ich bin etwas wehmütig. Es war eine intensive Zeit. Meine professionelle Arbeit hat sich deutlich weiterentwickelt und persönlich bin ich durch eigene Prozesse gegangen, die mich voranbringen. In einer vertrauensvollen Umgebung habe ich fundierte Kenntnisse über Trauma im atemtherapeutischen Kontext erhalten, in Theorie und vor allem auch im praktischen Üben. Reichlich hast Du uns Skripte, Videos und Audios an die Hand gegeben, von denen ich noch lange zehren werde. Vielen Dank!“
 

Rückmeldung zu sechs Fortbildungen in der Schweiz (2016 – 2019)

„Die Fortbildungen mit Norbert Faller zum Thema Atempädagogik/-therapie bei Trauma haben einen festen Platz in unserer Praxis gefunden. Es freut uns sehr, dass sie in der Schweiz so grossen Anklang finden (...) Sein grosses Wissen, das strukturierte und differenzierte Vermitteln von theoretischen und praktischen Inhalten, seine hilfreichen Arbeitsunterlagen sowie seine ruhige und wertschätzende Art werden von den Kursteilnehmenden wiederholt in Rückmeldungen erwähnt“ (S. Wild und D. Willi).
 

Rückmeldung zur Fortbildung "Trauma und Atemarbeit" in Kleingruppe

„Nicht nur deine ruhigen, sympathischen Räumlichkeiten, sondern auch deine angenehme Art zu unterrichten und dein grosses Wissen, das du uns in Fülle – inklusive Unterlagen – weitergegeben hast, haben einen nachhaltigen und wertvollen Eindruck hinterlassen. Viele deiner Impulse haben Eingang in unseren Atem-Arbeitsalltag gefunden“ (C. Schneider, I. Fierz, U. Friedli und B. Ruff – vier schweizer Atemtherapeutinnen).