Zweijährige Weiterbildung: Atempädagogik bei Trauma

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Intro

In diesem Einführungs-Wochenende werden grundlegende Kenntnisse über Trauma und die atempädagogische Arbeit mit traumatisierten Menschen vermittelt, mit denen jede Atempädagogin bzw. jeder Atempädagoge vertraut sein sollte.

Es ist zudem Voraussetzung für die Teilnahme an der ab 11. Februar 2022 stattfindenden, mehrteiligen Weiterbildung zum Thema und soll der Entscheidungsfindung dafür dienen. Sie erhalten ein 50-seitiges Skriptum mit den Inhalten dieses Intros. Weitere Infos zum nächsten Termin 1. – 3. Oktober 2021.

Struktur der zweijährigen Weiterbildung

Zeitlicher Rahmen

Die Weiterbildung dauert zwei Jahre und beinhaltet sechs aufeinander aufbauende Module an sechs Wochenenden; sie umfasst insgesamt 12 Tage mit 84 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten.

Lernmethoden

  • Vorträge, Powerpoint- und Videopräsentationen
  • Wahrnehmungs-, Achtsamkeits- und Bewegungsübungen sowie nonverbales und verbales Erforschen eigener Erfahrungen
  • Praktische Demonstrationen im Gruppensetting und im Einzelsetting auf dem Hocker und der Liege
  • Strukturierte Übungseinheiten in Kleingruppen oder zu zweit
  • Begleitende Aufgaben, Selbststudium anhand der Skripten, empfohlener Literatur und Videos und Intervision mit Übungssitzungen
  • Skripten

    Zur Vor- und Nachbereitung der Wochenenden werden zu den jeweiligen Inhalten Skripten in PDF-Form zugesandt.

    Abschluss – Zertifkat

    Nach Absolvierung aller sechs Module/Wochenenden wird ein Weiterbildungs-Zertifikat ausgehändigt.

    Inhalte

    In der zweijährigen Weiterbildung werden wesentliche Informationen über Trauma und vielfältige atempädagogische Interventionen für die Arbeit mit traumatisierten Menschen vermittelt.

    Trauma entsteht durch ein extrem belastendes und/oder lebensbedrohliches Ereignis, das Furcht, Hilflosigkeit und Entsetzen auslöst. Dabei entstehen unmittelbare natürliche Stressreaktionen wie Steigerung von Blutdruck, Herzschlag und Atemfrequenz zur Mobilisierung aller Energiereserven. Können die mobilisierten Energien nicht verbraucht werden, bleiben sie im Nervensystem gespeichert und verursachen vielfältige physische sowie psychische Störungen. Bei traumatisierten Menschen, die das Trauma nicht aufgearbeitet haben, zeigen sich vielfach z. B.: Bereiche, die sich in einer Konstriktion befinden; Einschränkungen der Atmung bis hin zu Atemerkrankungen usw.; Kontrolle – auf geistiger und Gefühlsebene; Zurückhaltung, Abspaltung und Schwankungen von Gefühlen; fehlende Sicherheit, was sich häufig im Kontaktverhalten äußert usw.
     
    Atempädagogische Interventionen wollen und können genau das Gegenteil ermöglichen – Weit-Werden, freien Atemfluss, Auflösen von Kontrolle, Fördern von Fluss, Fähigkeit zu Kontakt usw. Deshalb zieht Atempädagogik auch entsprechende Klientinnen bzw. Klienten an und sollten Atempädagoginnen bzw. jeder Atempädagogen mit dem Thema vertraut sein und Möglichkeiten sowie Grenzen der atempädagogischen Arbeit mit diesem Klientel kennen. Zudem können bei traumatisierten Menschen das Wecken von Empfindungen direkt zu traumatischen Erfahrungen führen oder bewährte Übungen eine andere, nicht angenehme Wirkung hervorrufen – weitere wichtige Gründe, warum Atempädagoginnen bzw. jeder Atempädagogen mehr über das Thema Trauma und über einen qualifizierten Umgang damit wissen sollten.
     

    Inhalte des 1. Moduls/Wochenendes: Verbale Begleitung

    In diesem Modul steht die verbale Begleitung im Mittelpunkt, die bei einigen atempädagogischen/-therapeutischen Methoden wenig geschult und genutzt wird. Besonders bei traumatisierten Menschen ist es wichtig, sich auch verbal Informationen über deren Prozess einzuholen, um diesen gut regulieren zu können und Überwältigung zu vermeiden. Obwohl Geist und Verhalten (Atem) sich beeinflussen, sind sie trotzdem zwei unterschiedliche Phänomene. Gedanken können nicht erkannt werden, wenn sie nicht mitgeteilt werden (Damasio 2002). Verbale Begleitung ermöglicht aber auch, unbewusste Inhalte ins Bewusstsein zu heben und Erfahrungen sowohl auszubreiten und zu vertiefen als auch zu integrieren. Folgende Arten verbaler Begleitung werden vermittelt und in atempädagogischen Settings geübt:
    • Das verbale Begleiten des Prozesses durch offene Fragen, die das Empfinden ansprechen. Dadurch erhalten wir detaillierte Informationen über die aktuelle Befindlichkeit und den Prozess der Klientinnen bzw. Klienten. Daraufhin können wir die Angebote verfeinern oder verändern, Dissoziation rechtzeitig erkennen usw.
    • Das exakte Wiederholen der wichtigsten Worte. Durch das Wiederholen genau derselben Worte der Klientinnen bzw. Klienten stellen wir verbal Kontakt zu ihren wesentlichsten Erfahrungen und Aussagen her. Wir wiederholen meist nicht ganze Sätze, sondern nur die wichtigsten Worte. Oft äußern sie sich daraufhin die Klientinnen bzw. Klienten vertiefend zu einer Erfahrung, gelangen dadurch zu neuen Aspekten einer Erfahrung oder zur nächsten Erfahrung.
    • Das Ausbreiten von Ressourcen und positiven Erfahrungen durch das Ansprechen der verschiedenen Erfahrungsebenen (SIBAM).
    • Sogenannte Kontaktaussagen, die eine Situation, ein aktuelles Geschehen, Befinden oder Erleben bei den Klientinnen bzw. Klienten ansprechen. Durch Kontaktaussagen können wir Kontakt aufnehmen z. B. mit dem Körper, der Muskulatur, dem Atem, einer Reaktion des autonomen Nervensystems, der Lebendigkeit, einem Impuls, dem inneren Kind, den Gefühlen, dem Inhalt einer Aussage, mit Gewohnheiten u. v. m. Kontaktaussagen sind wichtige Interventionen, um einen bewusstseins- und entwicklungsfördernden Prozess zu initiieren, in Gang zu halten und zu vertiefen. Sie stellen Kontakt her, vermitteln Mitgefühl und Verständnis, halten in der Erfahrung, machen Unbewusstes bewusst, vertiefen Bewusstsein und laden zur Kommunikation ein.
    • Das Erfragen von Bedeutung z. B. bei einer Berührung: „wenn die Hände Worte hätten, was würden sie dir sagen?“
    • Das tiefergehende Erforschen in Form von Experimenten mit sogenannten Sonden – „was passiert, wenn Du folgenden Satz hörst: „…“
     

    Inhalte des 2. Moduls/Wochenendes: Erkennen und Arbeiten mit Reaktionen des Nervensystems – Wege der Selbst- und Co-Regulierung

    An diesem Wochenende steht die Regulation des Nervensystems mit Hilfe von atempädagogischen Interventionen unter Berücksichtigung der Polyvagal-Theorie im Mittelpunkt.
     
    Ausführlichere Beschreibungen dazu folgen demnächst.
     

    Inhalte des 3. Moduls/Wochenendes: Stärken von Ressourcen, Resilienz und Grenzen und Erkunden des Neutralen

    Diese vier Themen sind in der Arbeit mit traumatisierten Menschen elementar wichtig und werden in diesem Modul im Mittelpunkt stehen:
    • „Ressourcen sind Kraftquellen, die den Menschen unterstützen, sich auf die große Vielfalt der im Leben auftretenden Situationen und Anforderungen kontinuierlich einzustellen sowie angemessen und wirksam zu reagieren. Sie sind Grundlage für Wohlbefinden, Lebendigkeit und Kreativität. Sie helfen, Veränderungen anzugehen und Neues zu wagen“ (Faller 2019).
    • „Unter Resilienz wird die Stärke eines Menschen verstanden, widrige Lebensbedingungen ohne anhaltende psychische, körperliche oder soziale Beeinträchtigungen zu meistern“ (Mergenthaler 2012) und die Fähigkeit, sich an Veränderungen anzupassen und sich neu erfinden können.
    • Bei Trauma passiert immer eine Verletzung von Grenzen mit spezifischen Folgen. Dabei spielen die verschiedenen Arten und Funktionen von Grenzen eine wichtige Rollen und es entstehen als Folge unterschiedliche Grenzstile.
    • Weil Ressourcen „positiv geladen“ sind, irgendwann an ihre Grenzen stoßen und dann "kippen" können, kann es hilfreich sein zusätzlich zu Ressourcen mit einem „neutralen Pol“ zu arbeiten. Dieser neutrale Pol kann sowohl im Körper als auch außerhalb sein. Er beinhaltet meist größere Stabilität als Ressourcen, ist konfliktfrei, wertfrei und wird vielfach als sehr entlastend erlebt.
    • Wir werden vielfältige atempädagogische Interventionen erforschen, die Ressourcen, Resilienz und gesunde Grenzen stärken und das Neutrale bewusst machen und vertiefen. Daraus entstehen Sicherheit, Vertrauen und echter Kontakt.
       

      Inhalte des 4. Moduls/Wochenendes: Titrieren und Pendeln

      In diesem Modul stehen die Themen Titrieren im Sinne von wohldosierten Interventionen (weniger ist bei traumatisierten Menschen meist mehr) und Pendeln im Sinne von bewusstem Wechseln zwischen Arbeit an Ressourcen oder dem Neutralen und am "Trauma/Problem" im Mittelpunkt.
      „Trauma ist eine Art von Explosion im Nervensystem“ (Peter Levine). Weil bei einem traumatischen Ereignis zu viel, zu heftig, zu schnell und zu plötzlich passiert ist, gilt es eine Wiederholung desselben bei der Aufarbeitung durch titriertes Arbeiten zu vermeiden. Dabei wird bewusst der Prozess verlangsamt, die Zeit ausgedehnt und das traumatische Erlebnis in kleinen Dosierungen verarbeitet. Es geht darum, genau die Menge zu finden, womit die Klientinnen bzw. Klienten sich sicher fühlen und die verdaubar ist. Dadurch wird zum einen Retraumatisierung verhindert und zum anderen kann der Organismus durch das Dehnen der Zeit unvollendete Reaktionen komplettieren und das Nervensystem wieder in die optimale Energiezone zurückfinden.
      Beim Pendeln geht es um ein Wechseln bzw. Hin- und Herbewegen zwischen Expansion/Ressource oder Neutralem und Kontraktion/traumatischer Erinnerung. Durch Pendeln kommt ein Prozess in Gang und Energie wird in Fluss und Bewegung gebracht. Auch hier ist auf die Dosierung zu achten – nicht zu oft pendeln und nicht zu viel Energie auf einmal in Bewegung bringen – siehe oben.
      Wir werden titriertes Arbeiten und Pendeln im übungszentrierten und im Behandlungssetting erforschen und praktizieren.
       

      Inhalte des 5. Moduls/Wochenendes: Ausbreiten bzw. Entladen von Energie und Komplettieren von Reaktionen

      In diesem Modul stehen wohldosiertes Ausbreiten bzw. Entladen von Energie und Komplettieren von unvollendeten Reaktionen durch Arbeit an den Gelenken der Extremitäten (der Peripherie) sowohl in der übungszentrierten Arbeit als auch in der Behandlungsarbeit auf der Liege im Mittelpunkt.
      Die Gelenke werden in der Middendorf-Lehre als wichtige Übergänge, Verbindungen und Schlüsselstellen für Durchlässigkeit gesehen. In Somatic Experiencing (SE) werden sie als Behältnisse für Affekt und Regulatoren für die Bewegung von Energiezuständen gesehen und eröffnen sie oft Zugang zu unvollständigen Überlebensreaktionen und Selbstschutzversuchen.
      Wir werden atempädagogische Arbeitsweisen als auch SE-Interventionen unter Berücksichtigung dieser Aspekte anwenden und wichtige Erfahrungen wie Bewegungsfreiheit, Kohärenz und Containment unterstützen.
       

      Inhalte des 6. Moduls/Wochenendes: Vertiefung, Raum für Aktuelles und Offenes, Integration und Abschluss

      Beschreibungen dazu folgen demnächst.
       
      Stand: 4. Januar 2021 (Änderungen vorbehalten)
       

      Termine

      1. Modul/Wochenende: 11. – 13. Februar 2022
      2. Modul/Wochenende: 10. – 12. Juni 2022
      3. Modul/Wochenende: 07. – 09. Oktober 2022
      4. Modul/Wochenende: 03. – 05. Februar 2023
      5. Modul/Wochenende: 16. – 18. Juni 2023
      6. Modul/Wochenende: 06. – 08. Oktober 2023
       
      Stand: 19. September 2021 (Änderungen vorbehalten)
       

      Voraussetzungen

      Voraussetzungen für die Teilnahme an dieser Weiterbildung sind eine abgeschlossene Ausbildung in Atempädagogik/-therapie, die sowohl übungsorientierte Gruppen- und Einzelarbeit als auch Behandlungsarbeit auf der Liege beinhaltet und der Besuch eines Intros.

      Gebühr

      1500,– EUR, die in Teilen zu jeweils 250,– EUR vor den jeweiligen Wochenenden zu zahlen sind.

      Ort

      Triveni Zentrum, Breslauer Straße 15, 82194 Gröbenzell, Deutschland